Rechtslupe: Aufzeichnen von Online-Veranstaltungen

Malte Persike/ Mai 4, 2020

Rechtslupe: Aufzeichnungen von Online-Veranstaltungen

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Für Eilige

  • Wenn keine Studierenden in einer Online-Lehrveranstaltung in Bild und/oder Ton erscheinen, können Sie auch ohne jede Einwilligung aufzeichnen.
  • Studierende müssen in eine Aufzeichnung immer einwilligen und dürfen nicht wegen einer fehlenden Einwilligung aus der Lehrveranstaltung ausgeschlossen werden.
  • Die Einwilligung muss nicht schriftlich erfolgen. Das hier beschriebene Vorgehen genügt.
  • Lehrende müssen sich ebenfalls nicht aufzeichnen lassen. Selbst das einwilligungslose Aufzeichnen durch Studierende für den privaten Gebrauch ist nicht zulässig.

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Aufzeichnung gewünscht?

Viele Lehrende möchten ihre live übertragenen Lehrveranstaltungen gleichzeitig aufzeichnen vornehmen, um die Lehrveranstaltung über einen längeren Zeitraum für Studierende nutzbar zu machen. Wir setzen gerne noch ein Ausrufezeichen hinter diesen Wunsch, denn nur durch die Aufzeichnung ermöglichen wir es allen Studierenden, eine Veranstaltung besuchen zu können – ob synchron während der Live-Übertragung oder asynchron als Video. Die Gründe für das Verpassen einer Lehrveranstaltung können vielfältig sein und von Krankheit über gleichzeitige Veranstaltungen bis hin zu ganz banalen technischen Problemen reichen. Deshalb ist auch durch das Rektorat die Empfehlung ergangen, die Online-Lehre nach Möglichkeit aufzuzeichnen.

Nun ist genau diese Möglichkeit nicht immer gegeben. Die Aufzeichnung einer Lehrveranstaltung, in der auch Studierende in Wort und/oder Bild zu sehen sind, berührt verschiedene Rechtsbereiche. Deshalb ist eine Hilfestellung für unsere Lehrenden unumgänglich.

Die bislang empfohlene Praxis der Einholung schriftlicher Zustimmung von Studierenden vor der Aufzeichnung von Online-Meetings hat sich hier als zu aufwändig erwiesen.
Das CLS hat deshalb gemeinsam mit dem Datenschutzbeauftragten und der Abteilung Recht ein für Lehrende und Studierende gleichermaßen praktikables und gleichzeitig rechtskonformes Vorgehen definiert, um Lehrveranstaltungen durch Lehrende aufzeichnen zu können. Dieses sehr einfache Vorgehen erklären wir in diesem Beitrag.

Am Ende des Beitrags gehen wir auch noch auf die Rechte der Lehrenden im Rahmen der Aufzeichnung und Weitergabe von Videos ein.

Aufzeichnungen ohne Studierendenbeteiligung in Bild und/oder Ton

Die wichtigste Information vorab: Wenn keine Studierenden in einem Online-Meeting in Bild und/oder Ton erscheinen, können Lehrende dieses Meeting auch ohne jede Einwilligung aufzeichnen. Die Lehrperson muss in diesem Fall aber unbedingt technisch unterbinden, dass Studierende ihr Video bzw. ihr Mikrofon selbst aktivieren können. Dies ist etwas anderes als das anfängliche Abschalten der Video- und/oder Tonübertragung, die dann im Verlauf eines Meetings von Studierenden wieder eingeschaltet werden können. Wollen Sie also ohne Einwilligung aufzeichnen, müssen Bild und Ton der Studierenden im Online-Meeting unveränderlich deaktiviert sein! Wie das geht, ist in unserer Zoom Handreichung für Lehrende beschrieben.

Empfehlung: Wir raten dazu, vor dem Beginn der Aufzeichnung immer kurz darauf hinzuweisen, dass eine Aufzeichnung stattfinden wird. Diese Transparenz hilft dabei, dass die Studierenden nicht vom Aufblinken des Aufzeichnungs-Hinweises in ihrem Meeting-Fenster überrascht werden.

Dies gilt besonders dann, wenn Studierende auch andere personenbezogene Angaben im Rahmen eines Meetings sichtbar machen können, z.B. ihren Namen oder ihr Avatar-Bild. Es ist essentiell, darauf hinzuweisen, dass die Angabe personenbezogener Daten unterlassen werden muss und dass sie auf eigenes Risiko erfolgt. Siehe dazu auch den späteren Abschnitt „Aber was ist mit anderen Daten wie Benutzername oder Avatar-Bild?

Aufzeichnungen mit Studierendenbeteiligung in Bild und/oder Ton

Sollen Studierende in Bild und/oder Ton aufgezeichnet werden, sieht die Situation anders aus. Mit dem neuen Vorgehen ist eine schriftliche Einwilligung der Studierenden nicht mehr notwendig. Die Einwilligung muss zwar weiterhin freiwillig erfolgen, sie geschieht aber ohne weitere formelle Maßnahmen allein durch das Einschalten des Videobildes und Mikrofons durch die Studierenden. Damit dieses Vorgehen rechtskonform ist, müssen Lehrende nur wenige Dinge beachten!

Zur Einwilligung ist den Studierenden eine Erklärung zur Einwilligung sowie eine Information zur Verarbeitung personenbezogener Daten in Schriftform zur Verfügung zu stellen. Sie finden dieses Dokument hier. Das Dokument ist derzeit noch deutschsprachig. Eine englische Version befindet sich in Vorbereitung.

Lehrpersonen müssen an wenigen Stellen des Dokuments eigene Angaben machen (z.B. der Name der Lehrveranstaltung und die Kontaktdaten der datenverarbeitenden Stelle). Ohne diese Angaben ist die Einwilligung nicht gültig. Bitte stellen Sie das Dokument also keinesfalls ohne Ihre ergänzenden Angaben den Studierenden zur Verfügung.

Sobald diese Angaben ergänzt sind, ist das weitere Vorgehen sehr einfach:

  1. Die/der Lehrende stellt das Dokument für Ihre Studierenden an gut erreichbarer Stelle zur Verfügung, z.B. als PDF im Moodle Lernraum.
  2. Die/der Lehrende startet die Lehrveranstaltung als Online-Meeting. Dabei muss das Meeting so eingestellt sein, dass die Video- und Audioübertragung für alle Teilnehmenden initial abgeschaltet ist!
  3. Die/der Lehrende weist vor Beginn der Aufzeichnung auf eben diese und die Notwendigkeit zur Einwilligung hin. Eine Musterformulierung kann lauten:„Die Lehrveranstaltung wird heute aufgezeichnet. Sie sind nicht verpflichtet, Ihr Videobild, Ihr Mikrofon oder andere personenbezogene Daten wie einen Klarnamen oder ein Bild von Ihnen zu übertragen. Die Übertragung von Video und Audio ist für Sie aktuell deaktiviert. Wenn Sie nicht Teil der Aufzeichnung werden möchten, aktivieren Sie die Übertragung einfach nicht. Wenn Sie hingegen einverstanden sind, Teil der Aufzeichnung zu werden, lesen Sie bitte vorher die Einwilligungserklärung und die Informationen zur Verarbeitung Ihrer personenbezogenen Daten sorgfältig durch, die Sie hier finden: [auf den Download-Ort verweisen]. Wenn Sie dann Ihr Bild, Ihr Video und/oder Ihr Mikrofon einschalten, willigen Sie gemäß Einwilligungserklärung in deren Aufzeichnung sowie auch in die Aufzeichnung anderer personenbezogener Daten ein, die Sie während der Übertragung zeigen.
  4. Die/der Lehrende aktiviert die Aufzeichnung.

Das war’s schon. Die so entstandene Aufzeichnung kann nun ohne weiteres für die genannten Veröffentlichungswege und -zwecke verwendet werden.

Aufzeichnungen in Lehrveranstaltungen mit Anwesenheitspflicht

Besondere Umsicht ist in Online-Lehrveranstaltungen mit Anwesenheitspflicht geboten. Hier können Lehrende die Aktivierung des Videos und/oder Mikrofons bei ihren Studierenden anordnen, insbesondere zum Zwecke der Anwesenheitskontrolle. Diese Anordnung kann sich nur auf den Beginn der Veranstaltung beziehen, aber ohne weiteres auch auf die gesamte Zeit des Online-Meetings. Wie ist hier vorzugehen?

Essentiell wichtig ist genau ein Punkt: in keiner Lehrveranstaltung ist eine zwangsweise Aufzeichnung erlaubt, bei der Studierende in Ton und/oder Bild erscheinen – weder mit noch ohne Anwesenheitspflicht. Insbesondere dürfen Studierende nicht ausgeschlossen werden, weil sie sich nicht aufzeichnen lassen möchten. Dies gilt natürlich speziell für Lehrveranstaltungen mit Anwesenheitspflicht. Willigt auch nur ein/e Studierende/r nicht die Aufzeichnung ein, darf nicht aufgezeichnet werden. Um aber nicht die Kommilitonen/innen zu benachteiligen, nur weil eine Person nicht in die Aufzeichnung einwilligt, können durchaus kreative Lösungen gefunden werden. Ein Beispiel aus der Praxis ist das Tragen einer Corona-Maske zur Unkenntlichmachung.

Aufzeichnungen in Prüfungen

In Prüfungen ist eine Aufzeichnung grundsätzlich untersagt. Daran gibt es derzeit nichts zu rütteln.

Aber was ist mit anderen Daten wie Benutzername oder Avatar-Bild?

Neben ihrem Video und/oder Audio können Studierende während eines Meetings auch an anderer Stelle personenbezogene Angaben sichtbar machen, z.B. ihren Namen, mit dem sie dem Meeting beigetreten sind, oder auch ihr Avatar-Bild.

Hier ist die Situation eindeutig. All diese Angabe sind ohnehin freiwillig und durch Studierende ohne Folgen zu verweigern. Dies ist in der Mail aus dem Dezernat 5.0 vom 22.04.2020, 17:46 Uhr, eindeutig festgelegt. Die Mail ist sowohl an Lehrende wie auch an Studierende ergangen. Studierende, die trotzdem ihren Klarnamen zeigen oder ihr eigenes Avatar-Bild, handeln wissentlich. Um hier aber keine Verwirrung aufkommen zu lassen, empfehlen wir grundsätzlich bei jeder Aufzeichnung den Hinweis darauf, dass aufgezeichnet wird, dass die Angabe personenbezogener Daten unterlassen werden muss und dass sie auf eigenes Risiko erfolgt.

Rechte für unsere Lehrenden

Gerne weisen wir darauf hin, dass auch Lehrende in die Aufzeichnung ihrer Person durch Studierende einwilligen müssen. Der Vortrag des Lehrenden ist ein Sprachwerk im Sinne des Urheberrechts. Den Lehrenden bleibt es daher überlassen zu entscheiden, ob ihre Vorlesung aufgezeichnet wird. Zwar lässt das Gesetz das Kopieren von Werken zu privaten Zwecken zu, aber auch diese sog. „Privatkopiefreiheit“ hat ihre Grenzen. Lehrende haben hier eine vergleichbar starke Rechtsposition.

Nach §53 Abs. 7 UrhG ist die „Aufnahme öffentlicher Vorträge stets nur mit Einwilligung des Berechtigten (hier: Lehrenden)“ erlaubt. Damit ist das Abfilmen des Vortrages auch zum rein privaten Gebrauch ohne Einwilligung der Lehrperson nicht erlaubt. Hierunter fällt jedes Abfilmen oder Mitschneiden mit Kamera, Smartphone, Software etc. von Bild und/oder Ton.

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